7.Tag des Gazakrieges (02.01.09): das dritte Gotteshaus wird zerstört

Die Angriffe auf Moscheen gehen weiter. Heute trifft es die Imad Moschee in Dorf Jabaliya.

Weiterhin steigt die Anzahl der Toten auf mind. 425 Tote und mind. 2200 Verletzte.

 

6.Tag des Gazakrieges (01.01.12):Dr. Nizar Rayyan und seine Familie werden ermordet

Der ununterbrochene Angriff auf den Gazastreifen wird fortgeführt.

Heute wird das Haus von Sheikh Dr. Nizar Rayyan beschossen. Er stirbt, seine 4 Frauen und 11 jungen Kinder ebenfalls.

95% des Wassers in Gaza ist nicht trinkbar

Spezialisten einer internationalen Gemeinde bestätigten am vergangenen Donnerstag, dass 95 % des Grundwassers im Gazastreifen nicht fürs Trinken geeignet ist. Sie richteten sich an die Genfer Konvention, dass das Wasserrecht der Palästinenser umgesetzt werden sollte, was durch die israelische Besatzung verhindert wird. Ebenfalls riefen sie dazu auf, dass andere Wege eingeleitet werden sollten, um das Wasser im Gazastreifen zu säubern wie zum Beispiel Entsalzungsanlagen.

http://www.palestine-info.co.uk/en/default.aspx?xyz=U6Qq7k%2BcOd87MDI46m9rUxJEpMO%2Bi1s7LZQoo5%2Fm0yHJeiftejbTpIbg4xMtC4EAws%2BmdNSOxIl7ob9ghj7gZiWRImXjhKgdX26zLatHzSmEGornPIU5WZBcfY%2BEACinSqkCvyJrLXc%3D

Das Massaker von Gaza – Gaza 2 Jahre danach

Das Massaker von Gaza und der Kampf um Gerechtigkeit

von Ali Abunimah

27.12.2010 — The Electronic Intifada

— abgelegt unter:

Das Gaza-Massaker, das Israel heute vor zwei Jahren begann, endete keineswegs am 18. Januar 2009, sondern dauert weiter an. Dem Massaker fielen nicht nur Menschen zum Opfer, sondern auch die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Allein unsere Taten können dem ein Ende bereiten.

Der von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebene Goldstone-Bericht dokumentiert Beweise für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die im Verlauf eines Angriffs begangen wurden, der sich gegen die „Grundfesten des zivilen Lebens“ selbst – Schulen, Industrieinfrastruktur, Wasser, Abwasser, Getreidemühlen, Moscheen, Universitäten, Polizeistationen, Ministerien, die Landwirtschaft [1] und Tausende Wohnhäuser – richtete. Wie so viele andere Untersuchungen, die israelische Verbrechen dokumentieren, liegt der Goldstone-Bericht jedoch bei den Vereinten Nationen und sammelt Staub an, da die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, die Palästinensische Autonomiebehörde [2] und gewisse arabische Regierungen in heimlichem Einverständnis dafür sorgten, daß keine Taten folgen.

Israel startete den Überfall unter Bruch des Waffenstillstands, den es im Juni davor mit der Hamas ausgehandelt hatte, und unter dem fadenscheinigen Vorwand, Raketenbeschuß aus Gaza beenden zu wollen.[3]

In diesen entsetzlichen Wochen vom 27. Dezember 2008 bis zum 18. Januar 2009 tötete Israels gnadenloses Bombardement dem Palästinensischen Zentrum für Menschenrechte in Gaza zufolge 1.417 Menschen.

Es waren Kinder wie Farah Ammar al-Helu, ein Jahr alt, getötet in al-Zaytoun. Es waren Schülerinnen oder Schüler wie Islam Khalil Abu Amsha, 12, Shajaiyeh und Mahmoud Khaled al-Mashharawi, 13, aus al-Daraj. Es waren alte Menschen wie Kamla Ali al-Attar, 82, aus Beit Lahiya und Madallah Ahmed Abu Rukba, 81, aus Jabaliya. Es waren Väter und Ehemänner wie Dr. Ehab Jasir al-Shaer [4]. Es waren Polizeibeamte wie Younis Muhammad al-Ghandour, 24 Jahre alt. Es waren Krankenwagenfahrer [5] und Mitarbeiter des Zivilschutzes. Es waren Hausfrauen, Lehrer, Bauern, Arbeiter aus dem Sanitätsbereich und Bauhandwerker. Und ja, einige von ihnen waren Kämpfer, die sich wie andere Menschen es auch tun würden, mit leichten und primitiven Waffen gegen Israels Ansturm zur Wehr setzten, der mit den modernsten Waffen stattfand, die die USA und die Europäische Union liefern konnten.

Die Namen der Toten füllen 100 Seiten, und nichts kann die Leere ersetzen, die sie in ihren Familien und Gemeinden hinterlassen haben („The Dead in the course of the Israeli recent military offensive on the Gaza strip between 27 December 2008 and 18 January 2009,“ [PDF] Palestinian Centre for Human Rights, 18 March 2009).[6](1)

Es waren nicht die ersten, die in einem israelischen Massaker starben, und es waren nicht die letzten. Dutzende Menschen wurden seit dem Ende von Israels „Operation Gegossenes Blei“ getötet, als letztes in der vergangenen Woche Salameh Abu Hashish, ein 20jähriger Schäfer, der von der israelischen Besatzungsarmee erschossen wurde, als er in Nordgaza seine Tiere versorgte.(2)

Aber die Tragödie endet nicht bei den Getöteten. Abgesehen von jenen Menschen, die bleibende Schäden zurückbehalten, gibt es den auf keine Weise berechenbaren psychologischen Preis [7], den die Kinder zahlen, die ohne Eltern aufwachsen, die Eltern, die ihre Kinder begraben, und des mentalen Traumas, das die israelische Offensive und die anhaltende Belagerung bei fast jedem in Gaza hervorgerufen haben. Da sind zudem die bislang noch nicht bekannten Folgen der Tatsache, daß die 700.000 Kinder Gazas über Jahre hinweg mit vergiftetem Wasser [8] versorgt wurden.

Die Belagerung raubt 1,5 Millionen Menschen nicht allein die Basisversorgung, das Material für den Wiederaufbau (nahezu nichts wurde in Gaza wieder aufgebaut) [9], und den Zugang zur Gesundheitsversorgung, sondern ihr grundlegendes Recht zu reisen, zu studieren, an der Welt teilzuhaben. Sie beraubt vielversprechende junge Menschen [10] ihrer Ziele und ihrer Zukunft. Sie raubt dem Planeten all das, was diese schaffen und anbieten könnten. Indem es Gaza von der Außenwelt abriegelt [11], hofft Israel uns vergessen zu lassen, daß es sich dort drinnen um Menschen handelt.

Zwei Jahre nach dem Verbrechen bleibt Gaza ein riesiges Gefängnis für eine Bevölkerung, deren unverzeihliche Sünde es in den Augen Israels und seiner Verbündeten ist, von dem Land geflohen zu sein, das Israel sich durch ethnische Säuberung [12] angeeignet hat.

Israels Gewalt gegen Gaza, wie seine Gewalt gegen Palästinenser überall ist die logische Folge eines Rassismus, der den untrennbaren Kern der zionistischen Ideologie und Praxis bildet: Palästinenser sind nichts als ein Ärgernis wie ein Gebüsch oder wie Steine, die bei der unentwegten, zionistischen Eroberung des Landes aus dem Weg geschafft werden müssen. Dagegen kämpfen alle Palästinenser an, wie ein Offener Brief [13](3) von Dutzenden Organisationen der Zivilgesellschaft in Gaza uns heute erinnert:

Wir Palästinenser von Gaza wollen mit der Freiheit leben, palästinensische Freunde oder Familienmitglieder aus Tulkarem, Jerusalem oder Nazareth zu treffen; wir wollen das Recht haben, zu reisen und uns frei zu bewegen. Wir wollen ohne Angst vor einem weiteren Bombenkrieg leben, der Hunderte unserer Kinder tötet und viele weitere verletzt oder durch die Verpestung mit Israels weißem Phosphor und Chemiewaffen Krebs bei ihnen auslöst. Wir wollen ohne die Demütigungen an israelischen Checkpoints und die Schande leben, unsere Familien aufgrund der durch die Kontrolle über die Wirtschaft und die illegale Blockade verursachten Arbeitslosigkeit nicht versorgen zu können. Wir fordern ein Ende des Rassismus, der diese Unterdrückung zementiert.

Jene von uns, die außerhalb Gazas leben, können beim Blick auf diese Menschen Inspiration und Kraft schöpfen; sogar nach all der willentlich zugefügten Grausamkeit haben sie nicht aufgegeben. Aber wir können von ihnen nicht erwarten, diese Last allein zu tragen, oder die schrecklichen Auswirkungen, die die unnachgiebige Verfolgung durch Israel für das Bewußtsein und die Körper der Menschen in Gaza oder für die Gesellschaft selbst hat, ignorieren. Wir müssen auch ihrem Aufruf zum Handeln folgen.

Vor einem Jahr war ich zusammen mit über tausend Menschen aus Dutzenden Ländern beim ‚Gaza Freedom March‘, der versuchte nach Gaza zu gelangen, um am ersten Jahrestag an das Massaker zu erinnern. Der Weg wurde uns von der ägyptischen Regierung versperrt [14], die unter US-Rückendeckung [15] gemeinsame Sache mit der israelischen Belagerungspolitik macht. Und auch wenn wir nicht in Gaza angekommen sind, schafften es andere Konvois vor uns und nach uns, wie es Viva Palestina, allerdings nach deutlicher Behinderung und Einschränkung durch die Ägypter, gelungen ist [16].

Gestern ist die Mavi Marmara nach Istanbul zurückgekehrt, wo sie im Hafen von Tausenden von Menschen begrüßt wurde. Im Mai war das Schiff Teil der ‚Gaza Freedom Flotilla‘ [17], die losfuhr, um die Blockade auf dem Seewege zu brechen, und in internationalen Gewässern von israelischen Kommandoeinheiten überfallen und gekapert [18] wurde, die neun Menschen töteten und Dutzende verletzten. Auch dieses Massaker hat die noch zahlreicheren Menschen nicht abgehalten, den Versuch zu unternehmen, die Blockade zu brechen: Der ‚Asiatische Konvoi nach Gaza‘ (4) ist unterwegs und weitere andere Unternehmungen sind in Planung.

Wir könnten mit Blick auf diese ganzen Initiativen mit Recht sagen, daß die Blockade trotz des horrenden Tributs – einschließlich der Menschenleben – noch immer nicht gebrochen ist, weil die Regierungen der Welt – die sogenannte „internationale Gemeinschaft“ – weiterhin Israels Straffreiheit garantieren. Zwei Jahre später liegt Gaza noch immer in Schutt und Asche, und Israel hält die Bevölkerung fortwährend am Rande einer absichtlich herbeigeführten humanitären Katastrophe, indem es nur so viele Versorgungsgüter hineinläßt wie nötig sind, um die internationale Meinung zu besänftigen. Es wäre leicht, die Zuversicht zu verlieren.

Auch wenn es so ist, sollten wir uns daran erinnern, daß die Palästinenser in Gaza nicht Objekt und kein isolierter humanitärer Anlaß sind, sondern Partner im Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit in ganz Palästina. Die Blockade von Gaza zu brechen, wäre ein Meilenstein auf diesem Marsch.

Haneen Zoabi, ein palästinensisches Mitglied des israelischen Parlaments und Passagier der Mavi Marmara, erklärte im vergangenen Oktober in einem Interview [19] mit ‚The Electronic Intifada‘, daß die israelische Gesellschaft und Regierung ihren Konflikt mit den Palästinensern nicht als Problem sehen, das gelöst werden muß, um Opfern Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu bringen, sondern ausschließlich als „Sicherheitsproblem“. Zoabi bemerkte, daß die breite Mehrzahl der Israelis glaubt, daß Israel das Sicherheitsproblem im Großen und Ganzen „gelöst“ habe: in der Westbank durch die Apartheidsmauer und die „Sicherheitskoordination“ der israelischen Besatzungskräfte mit der kollaborierenden Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und in Gaza durch die Blockade.

Die israelische Gesellschaft, meinte Zoabi abschließend „sieht keine Notwendigkeit für einen Frieden. Sie nehmen die Besatzung nicht als Problem wahr. Sie sehen die Belagerung nicht als ein Problem. Sie nehmen die Unterdrückung der Palästinenser nicht als Problem wahr, und sie zahlen nicht den Preis für die Besetzung oder den Preis für [die] Blockade [von Gaza].“

Aus dem Grund sind die Konvois und die Flottillen wichtiger Teil einer größeren Anstrengung, Israel zu verstehen zu geben, daß es in der Tat ein Problem hat und niemals als normaler Staat behandelt werden kann, solange es nicht seine Unterdrückungs- und Besatzungspolitik gegenüber den Palästinensern in der Westbank und im Gazastreifen beendet und die Rechte der palästinensischen Bürger Israels und der palästinensischen Flüchtlinge in vollem Umfang respektiert. Und auch wenn die Regierungen weiterhin danebenstehen und nichts unternehmen, weist die Zivilgesellschaft mit diesen Bemühungen, die Blockade zu brechen, und mit der breiteren, von den Palästinensern geführten Kampagne von Boykott, Investitionsstop und Sanktionen (BDS) den Weg.

Bei all ihrem Leid konnten die Palästinenser in den zwei Jahren seit dem Gaza-Massaker nicht viele Siege feiern. Aber es gibt Anzeichen, daß sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen. Israel bittet genau deshalb um US-unterstützte „Friedensverhandlungen“ [20], weil es weiß, daß der „Friedensprozeß“ den Deckmantel für seine fortwährenden Verbrechen liefert und daß ein solcher „Prozeß“ es nie erforderlich machen wird, irgendetwas aufzugeben oder den Palästinensern irgendwelche Rechte zuzugestehen.

Dennoch mobilisiert Israel alle seine Kräfte, um die globale Bewegung für Gerechtigkeit [21] und insbesondere BDS zu bekämpfen, das seit dem Gaza-Massaker soviel Fahrt aufgenommen hat [22]. Es könnte keine größere Bestätigung dafür geben, daß diese Bewegung Gerechtigkeit in Griffweite rückt. Unsere Erinnerung an all die Opfer darf sich nicht auf einen jährlichen Gedenktag beschränken, sondern sollte die Arbeit sein, die wir täglich dafür leisten, daß die Reihen dieser Bewegung anwachsen.

Anmerkungen:

[1] http://electronicintifada.net/v2/article11074.shtml

[2] http://electronicintifada.net/v2/article10807.shtml

[3] http://electronicintifada.net/v2/article10123.shtml

[4] http://electronicintifada.net/v2/article10138.shtml

[5] http://electronicintifada.net/v2/article11026.shtml

[6] http://www.pchrgaza.org/files/PressR/English/2008/list.pdf

[7] http://electronicintifada.net/v2/article10879.shtml

[8] http://electronicintifada.net/v2/article11455.shtml

[9] http://electronicintifada.net/v2/article11495.shtml

[10] http://electronicintifada.net/v2/article10676.shtml

[11] http://electronicintifada.net/v2/article11648.shtml

[12] http://electronicintifada.net/v2/article11594.shtml

[13] http://electronicintifada.net/v2/article11698.shtml

[14] http://electronicintifada.net/v2/article10972.shtml

[15] http://electronicintifada.net/v2/article10993.shtml

[16] http://electronicintifada.net/v2/article11653.shtml

[17] http://electronicintifada.net/v2/article11305.shtml

[18] http://electronicintifada.net/v2/article11327.shtml

[19] http://electronicintifada.net/v2/article11599.shtml

[20] http://electronicintifada.net/v2/article11686.shtml

[21] http://electronicintifada.net/v2/article11080.shtml

[22] http://electronicintifada.net/v2/article11683.shtml

[23] http://electronicintifada.net/bytopic/store/548.shtml

[24] http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/1568586418/theelectronic-20

Übersetzt von: Schattenblick

Sexueller Missbrauch palästinensischer Kinder durch israelische Soldaten

RAMALLAH.

Nach Medienaussagen, haben israelische Besatzungssoldaten palästinensische Kinder sexuell missbraucht während diese bei ihnen in Haft waren, was ein Bruch von internationalen Gesetzen und Normen darstellt und ein schrecklicher Bruch der Menschenrechte ist.

Die hebräische Tageszeitung Yediot Ahronot sagte am Sonntag, dass gegen israelische Soldaten Anklage erhoben wurde aufgrund von Kinderbelästigung und merkten an, dass andere Nachrichtenagenturen solche Nachrichten auf ihren Webseiten veröffentlicht haben.

Die Zeitung berichtet, dass einer der Minderjährigen sagte, dass ein israelischer Soldat versuchte, ihn vor 10 anderen Soldaten sexuell zu missbrauchten, während diese zuschauten und dabei lachten, was ihren Kommandeur mit einschließt.

http://www.palestine-info.co.uk/en/default.aspx?xyz=U6Qq7k%2bcOd87MDI46m9rUxJEpMO%2bi1s7lAz1gtDkIKhuT%2fANVuw1vSD%2bGWL5OKOk%2f5EMVStXnM6CsR9YQw1HGs4OfNW7s4C5MGaox6xSog0sq1U0NPOaYiuED1XfkWQet%2btPR0jLYtE%3d

Neuer Partner Blog: SOS Pakistan

Hallo liebe Blog Besucher,

wie alle mitbekommen haben, hat die Flutkatastrophe in Pakistan einen riesigen Schaden mit mindestens 1800 Toten, sowie Millionen von Obdachlosen und verletzten Menschen hinterlassen.

Für genaue und immer aktuelle Informationen haben wir nun einen PartnerBlog erstellt, der aktuelle Informationen, Nachrichten und Spendenaktionen beinhaltet und ständig aktualisiert wird.

Also schaut vorbei:

http://sospakistan.wordpress.com

Ramadan der Armen In Al-Khalil

Al-Khalil.

Die Bilder sprechen für sich.

http://paltimes.net/arabic/read.php?news_id=116737

Hilfe wird kriminalisiert – De Maizieres makabere Politik – IHH Verbo

13.07.2010 | 10:48

Hilfe wird kriminalisiert – De Maizieres makabere Politik – IHH Verbot

Der Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat heute den in Frankfurt ansässigen Verein IHH verboten. Die IHH (Internationale Humanitäre Hilfsorganisation e.V.) ist ein Verein, welcher es sich zu seiner Aufgabe gemacht hat, in Gebieten mit hoher Armut und einem schlechten Sozialsystem, soziale Institutionen mit aufzubauen.
Der IHH hat somit in verschiedensten Gebieten der Welt Hilfe geleistet, unter anderem auch in Gaza, dieses Engagement in Gaza ist es aber was das fragwürdige Verbot rechtfertigen soll.

Unterstützung der Hamas

Als Grundlage für das Verbot wird die angebliche Unterstützung der Hamas genannt, wenn man die Begründung allerdings genauer anschaut, erkennt man wie Absurd das Verbot ist. Durch die Unterstützung sozialer Vereine in Gaza, müsste die Hamas weniger Geld in diese investieren, woraus der Bundesinnenminister ableitet, dass die Hamas dann mehr Geld für Waffenverkäufe hätte.
Nach dieser Logik unterstützten auch Deutschland und die EU die Hamas, denn beide unterstützen soziale Projekte in Gaza oder Projekte die menschenwürdige Bedingungen schaffen sollen.
Dem Verbot fehlt somit jegliche Logik, dies bestätigt auch Wolfang Gehrcke von der Linken.

„Diese Begründung ist absurd. Jedes Medikament, dass in den Gazastreifen geliefert wird, jedes Lebensmittel würde in dieser Logik die Hamas entlasten und ihr Geld für Waffenkäufe belassen. So gesehen müsste man die Bevölkerung sterben oder verhungern lassen, um die Hamas nicht zu unterstützen. Das ist menschenunwürdig. Dadurch kann auch die falsche Politik der Hamas nicht überwunden werden. Organisationen, die humanitäre und soziale Hilfe für die Palästinenserinnen und Palästinenser leisten, bedürfen der Unterstützung der Regierung nicht ihres Verbots.“

„Mit der Begründung des Bundesinnenministers müsste wohl auch die UNO oder das Rote Kreuz mit einem Verbot belegt werden. Denn was hier abgestraft wird, ist die Hilfe für die notleidende Bevölkerung im Gaza-Streifen“ so äußerte sich der Vorsitzende der IHH e.V., Mustafa Yolda, weiterhin beschrieb er wie sich de Maziere mit seinem Verbot an dem Leiden der Kinder in Gaza schuldig mache „Nun soll offensichtlich jegliche humanitäre Hilfe für die notleidende Bevölkerung im Gaza-Streifen abgeschnitten werden. Es ist makaber, dass der Bundesinnenminister diejenigen, die Waisenkinder versorgen, bestraft, statt diejenigen zu kritisieren, die Kinder zu Waisen machen“.

Konsequenz für alle Hilfsorganisationen

Statt nun humanitäre Arbeit zu unterstützen werden Vereine die dies tun auch noch verboten. Wenn auf Grundlage solcher Argumente Vereine verboten werden könnten, so könnte es bald sehr viele Vereine treffen die sich in irgendeinerweise in Gaza engagieren. Als Folge daraus würde die Bevölkerung nur noch durch die Hamas unterstützt, was sie noch enger in deren Arme treiben würden, als es durch die Blockade ohnehin schon geschieht.
Der Bundesinnenminister erreicht somit genau das Gegenteil von dem Ergebniss das er erzielen möchte.

  http://diefreiheitsliebe.blogspot.com/2010/07/hilfe-wird-kriminalisiert-de-maizieres.html 

Routine: Misshandlung von Jugendlichen durch israelische Armee

 46163126 arrest466 Routine: Misshandlung von Jugendlichen durch  israelische ArmeePalästinensische Jugendliche werden in Gewahrsam routinemäßig von israelischen Soldaten misshandelt, gibt ein ehemaliger israelischer Militärkommandeur gegenüber Katya Adler, BBC Berichterstatterin für Jerusalem und das Westjordanland zu.

“Man schnappt sich den Jungen, verbindet ihm die Augen, fesselt seine Hände. Dabei zittert er heftig … manchmal fesselt man auch seine Füße. Dies kann ihm die Blutzirkulation abschnüren. Er bekommt nichts davon mit, was um ihn herum vorgeht, und hat keine Ahnung, was mit ihm geschehen wird. Er weiss nur, dass wir Soldaten mit Gewehren sind. Dass wir Menschen töten. Vielleicht fürchtet er, dass wir auch ihn töten. Oftmals bepinkeln sie sich, sitzen einfach da und pinkeln sich in die Hosen, weinen. Aber normalerweise sind sie sehr ruhig.”

Eran Efrati war früher Kommandeur in der israelischen Armee. Er diente im besetzten Westjordanland.

 46163128 soldier226 Routine: Misshandlung von Jugendlichen durch  israelische ArmeeIn einem Park in Jerusalem treffen wir ihn, um über Anschuldigungen gegen israelische Soldaten wie ihn zu diskutieren, sie würden häufig palästinensische Minderjährige, die des Steinewerfens beschuldigt werden, misshandeln. Mr. Efrati – der vor fünf Monaten die Armee verlassen hat – sagt, die Anschuldigungen seien berechtigt:

“Nie habe ich jemanden verhaftet, der jünger war als zehn Jahre, aber 14, 13, 11, für mich sind das noch Kinder. Doch sie werden wie Erwachsene behandelt. Jeder Soldat, der in den besetzten Gebieten gedient hat, kann ähnliche Geschichten erzählen. Die ersten Monaten nachdem ich die Armee verlassen hatte träumte ich die ganze Zeit von Kindern. Jüdischen Kindern. Arabischen Kindern. Sie schrien… Womöglich werden dem Jungen die Augen verbunden, damit er unsere Militärbasis nicht sehen kann und wie wir arbeiten… aber ich glaube wir machen das, weil wir seine Augen nicht sehen wollen. Man will nicht dass er uns ansieht, uns anfleht aufzuhören, vor uns weint. Es ist sehr viel einfacher, wenn wir seine Augen nicht sehen können.

“Wenn ein Junge dort in unserer Militärbasis sitzt – ich habe es nicht getan – aber niemand sieht in ihm ein Kind – wenn dort jemand mit verbundenen Augen und Handschellen sitzt, dann hat er wahrscheinlich etwas wirklich Schlimmes getan. Es ist in Ordnung ihn zu schlagen, ihn zu bespucken oder zu treten. Es ist wirklich egal.”

Junge Palästinenser werden meist festgenommen, weil sie Steine auf Siedler oder israelische Soldaten werfen. Dies ist, so sagen sie, die einzige Möglichkeit ihrer Frustration gegen die militärische Besatzung ihrer Heimat durch Israel Luft zu machen.

In Bil’in, einem Dorf im Westjordanland, organisieren Palästinenser wöchentlich Demonstrationen gegen Israel’s Separationsmauer. Israel sagt die Mauer sei notwendig, um Angriffe gegen seine Bürger zu unterbinden. Palästinenser nennen es Landraub. Sie sagen die Mauer mache ihnen das Leben noch schwerer. Israelische Soldaten beobachten die Proteste von der anderen Seite der Mauer aus.

Nächtliche Verhaftungen

 46163127 bilinkids 3101 466afp Routine: Misshandlung von  Jugendlichen durch israelische ArmeeNeulich auf einer dieser Demonstrationen beobachtete ich eine Gruppe palästinensischer Jungen, wie sie zwischen den Olivenbäumen umherliefen, Steine sammelten und diese gegen Soldaten warfen. Manche benutzten Steinschleudern. Viele verbargen ihre Identität hinter Tüchern oder Schals, die sie um ihre Gesichter gewickelt hatten. Die Soldaten antworteten mit Tränengas und Schallgranaten. Manchmal schossen sie auch gummiummantelte Stahlgeschosse.

Nach solchen Vorkommnissen greifen israelische Soldaten häufig das Dorf an. In der Regel mitten in der Nacht. Die Verhaftungen können brutal sein.

“Ihre Gesichter waren bemalt als sie ihn holen kamen. Es war erschreckend. All diese Soldaten für einen Jungen. Im Jeep haben sie ihm Gewichte aus Eisen auf den Rücken gelegt und ihn den ganzen Weg zum Gefängnis geschlagen. Er konnte eine Woche lang nicht aufstehen.”

 46163131 boy226 Routine: Misshandlung von Jugendlichen durch  israelische ArmeeMohammad Ballasi’s 15-jähriger Sohn Mohammad wurde wegen Steinewerfens von israelischen Soldaten verhaftet. Wir trafen ihn und seine Frau vor einer israelischen Militärbasis im Westjordanland. Palästinensische Jugendliche werden vor Militärgerichte gestellt. Als Minderjährige werden dort Palästinenser unter 16 Jahren angesehen. In israelischen Zivilgerichten gelten unter 18-Jährige als minderjährig.

Mohammad’s Eltern sahen ihn zum ersten Mal nach seiner Verhaftung zu seinem Gerichtsverfahren vor zwei Wochen. Er bekannte sich dort schuldig.

“Wenn man so geschlagen wird, sagt man selbst gegen die eigene Mutter aus,” sagt Suad Ballasi und unterdrückt seine Tränen. “Er ist ein Kind. Seine Freunde spielen auf der Straße während er in Handschellen sitzt. Ich konnte vor Gericht nicht aufhören zu weinen. Es fühlt sich an als würde mein Herz explodieren.”

Die Menschenrechtsorganisation “Defence for Children International” (DCI) hat in einem Bericht das israelische Militär der systematischen und institutionalisierten Misshandlung und Folter palästinensischer Kinder beschuldigt.

Gerard Horton ist ein Anwalt bei der DCI. Er sagt, Mohammad Ballasi’s Geschichte sei keine Ausnahme.

“Wir hören immer wieder von solchen Vorfällen. Israel hat die UN Konvention gegen Folter unterzeichnet – und auch die UN-Kinderrechtskonvention. Auch nach dem internationalen Gewohnheitsrecht ist es verboten, -insesondere Kinder- zu misshandeln und zu foltern.”

Er erzählte mir, Israel habe letzes Jahr 9.000 Palästinenser verhaftet – davon waren 700 Kinder. Mr. Horton sagt, die Militärgerichte stünden unter Druck, Fälle schnell zu bearbeiten.

Die Organisation DCI glaubt es wäre im Interesse von gleichsam Erwachsenen wie Kindern, auf schuldig zu plädieren. Gerard Horton sagt, Palästinenser die sich gegen die gegen sie vorgebrachten Anklagen verteidigen, würden im Endeffekt höhere Strafen erhalten.

Mohammad Khawaja war gerade 13 geworden, als er verhaftet wurde. “Sie haben mich am Kragen gepackt und aus dem Haus gezerrt. Je mehr ich weinte, desto mehr haben sie mir zugesetzt,” erzählt der Junge. “Meine Mutter schrie. Sie zogen mich über den Boden. Meine Knie bluteten. Sie schlugen mich mit ihren Gewehren und traten nach mir den ganzen Weg bis zum Jeep. Sie fesselten meine Hände und Füße, verbanden mir die Augen und ließen mich 24 Stunden dort ausharren. Ich dachte ich würde sterben. Später verlangten Vernehmungsbeamte von mir, dass ich andere Leute anschwärze. Ich wollte es nicht. Sie schlugen mich mit Plastikstühlen. Ich musste ein Dokument unterschreiben, das auf hebräisch verfasst war. Weder lese noch spreche ich hebräisch. Weil ich es unterzeichnet hatte sperrten sie mich ein.”

Das israelische Militär weist jegliche Anschuldigungen zurück, die Mißhandlung palästinensischer Jugendlicher sei Routine, doch man müsse ja auf der Hut sein vor palästinensischen Kindern, die in “Akte des Terrors” involviert seien.

Alpträume

Oberstleutnant Avital Leibowitz ist Sprecherin der israelischen Armee. “Auch wenn es nur ein Stein oder ein Molotov-Cocktail ist – es sind tödliche Waffen. Es spielt keine Rolle wer es getan hat – es sind tödliche Waffen,” sagt sie. “Wir erwischen fast jede Woche einen 14- oder 15-Jährigen mit einem Sprengstoffgürtel oder einer Granate an einem der Checkpoints. Wir leben in dieser Situation, und da wir uns verteidigen und diese Terroristen bestrafen müssen haben wir keine Wahl als sie zu finden und zu bestrafen – und zu hoffen dass es sich nicht wiederholt.”

Mohammad Khawaja hat nicht mehr richtig geschlafen seit die Soldaten gekommen sind. Er meint, die Alpträume wollten einfach nicht verschwinden.

Menschenrechtsgruppen appelieren an die internationale Gemeinschaft, die Vergehen Israels’  gegen Kinderrechte zu untersuchen.

Quelle: BBC

http://www.ism-germany.net/2009/08/10/routine-misshandlung-von-jugendlichen-durch-israelische-armee#more-1255

Idf tötet in Gaza und kriegt Kekse und Support-Briefe zur Ehrung ihrer Morde

IDF  mit GrüßenLiebe Leser, vor ein paar Tagen hatten einige von uns die große Ehre, Tausende Ihrer Support-Nachrichten und eine Lkw-Ladung voller frischem Gebäck von Gili’s Goodies in eine IDF-Militärbasis bei Gaza zu überbringen. Die Soldaten auf der Basis waren gerade bei letzten Vorbereitungen für den Kampfeinsatz. Sie waren überrascht und sehr dankbar, als unser Lastwagen auftauchte und wir Stapel um Stapel Grüße übergaben.

Als wir den Truppen mitteilten, dass wir gekommen wären, um ihnen Grußbotschaften zu bringen, glaubten sie, es handle sich um Grüße von Israelis. Als wir sie informierten, dass 15.000 der Botschaften aus den USA, Europa und so weit entfernten Orten wie Peru, Mexiko, Finnland und Australien stammten, sperrten sie die Augen auf und waren sprachlos. Dann lächelten sie überrascht und fragte: “Wirklich?”

Colonel Bentzi Gruber, der Vize-Kommandeur der bewaffneten Division, welche die Botschaften erhielt, möchte allen, die Grüße und Gebäck geschickt haben, Folgendes mitteilen:

“Ich möchte allen danken, die etwas geschickt haben. Das Wichtigste dabei ist das Gefühl unserer Soldaten dabei, die von überall her aus dem Land kommen, Menschen zwischen 21 und 50 Jahren… Es ist jetzt Krieg und wir müssen es tun. Die Leute spüren die Unterstützung von überallher auf der Welt. Es rührt uns, dass 6.000 Meilen von hier entfernt Leute heute Nacht an uns denken und mit uns fühlen.”

http://pi-news.net/2009/01/idf-dankt-fuer-gruesse-von-pi-lesern/

Gaza- Systematische Tötung

Am 15. September 2009 veröffentlichte die »Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für den Gaza-Konflikt« einen umfangreichen Bericht über den Gaza-Krieg 2008/2009. Der unter Federführung des südafrikanischen Richters Richard Goldstone verfaßte Report dokumentiert zahlreiche Kriegsverbrechen gegen Zivilisten, die die israelische Armee während der »Operation Gegossenes Blei« begangen hatte. Auch der palästinensischen Organisation Hamas werden in dem Bericht Angriffe gegen zivile Ziele angelastet. Angesichts der Kriegsrealität richtet sich die Kritik jedoch vor allem an die israelische Seite, die ihre Ablehnung dann auch in diversen regierungsoffiziellen Erklärungen kundtat. So diffamierte Israels Präsident Schimon Peres Gold­stone als »unbedeutenden und unwissenden Juristen«, Kommentatoren sprachen von »Antisemitismus«, und die große israelische Abendzeitung Maariv schrieb: »Gold­stone– ein Verbrecher«.

Der Goldstone-Bericht, über den in der UN so heftig gestritten wird, erscheint in diesen Tagen im Melzer Verlag in deutscher Übersetzung. Der Bericht wurde von 20 freiwilligen Volontären aus den verschiedensten Berufen übersetzt und von zwei professionellen Lektoren bearbeitet. Er erscheint weltweit zum ersten Mal als Buch – bisher konnte man die englische Originalfassung nur im Internet lesen.

Exklusiv für diese Ausgabe verfaßte der israelische Historiker Ilan Pappe ein Vorwort, das die Junge Welt, gekürzt um die Fußnoten, in zwei Teilen veröffentlicht hat. Wir danken dem Verlag und der Jungen Welt für die freundliche Genehmigung zum Vorabdruck.

Der Gazastreifen nimmt kaum mehr als zwei Prozent des historischen Palästina ein. Dieses kleine Detail findet weder sonst in den Nachrichten Erwähnung, noch war dies der Fall während des israelischen Überfalls auf Gaza im Januar 2009. Er ist in der Tat ein so kleiner Teil des Landes, daß er nie als separate Region existierte. Gazas Geschichte vor der Zionisierung Palästinas war keine besondere, und sie war administrativ und politisch immer verbunden mit dem großen Rest Palästinas. Bis 1948 war der Streifen in jeder Hinsicht ein integraler und natürlicher Teil des Landes. Als eines der wichtigsten Tore Palästinas zur Welt – zum Land und zum Meer hin – entwickelte er eine eher flexible und weltoffene Lebensart, nicht unähnlich anderen kosmopolitischen Gesellschaften des östlichen Mittelmeerraums in der Neuzeit. Die Lage am Meer und an der antiken Via Maris nach Ägypten und Libanon brachte Wohlstand und Stabilität, bis dieses Leben 1948 durch die ethnische Säuberung Palästinas durch Israel jäh unterbrochen und fast zerstört wurde.

Zwischen 1948 und 1967 wurde Gaza ein riesiges Flüchtlingslager, dessen Bewohner durch die Politik Israels und Ägyptens starken Beschränkungen unterworfen waren: Beide Staaten unterbanden jede Ausreise aus dem Streifen. Die Lebensbedingungen waren schon damals sehr hart, als die Opfer der israelischen Politik der Vertreibung die Zahl der Einwohner, die seit Jahrhunderten dort gelebt hatten, verdoppelten. Am Vorabend der israelischen Besetzung von 1967 war die erzwungene demographische Transformation überall in Gaza unübersehbar. Der einst idyllische Küstenstreifen wurde innerhalb von zwei Jahrzehnten eine der dichtest besiedelten Gegenden der Welt, ohne eine entsprechende, sie tragende Wirtschaftsstruktur.

Zwischen 1948 und 1967 war der Streifen eine abgeriegelte Kriegszone. In den ersten zwanzig Jahren israelischer Besatzung nach 1967 war zumindest eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit aus dem Streifen hinaus möglich. Zehntausende Palästinenser bekamen als ungelernte und billige Arbeitskräfte Zugang zum israelischen Arbeitsmarkt. Der Preis, den Israel für diesen Sklavenmarkt verlangte, war der vollständige Verzicht auf nationale Bestrebungen oder Ambitionen. Als man sich nicht fügte, wurde das »Geschenk« der Arbeitskraftwanderung widerrufen und abgeschafft. All die Jahre bis zum Oslo-Abkommen von 1993 waren gekennzeichnet durch das israelische Bemühen, den Gazastreifen zu einer Enklave zu machen, von der das Friedenslager hoffte, daß sie autonom oder Teil Ägyptens sein würde, während das nationalistische Lager sie zum Teil des größeren Eretz Israel machen wollte, das es anstelle Palästinas zu errichten träumte.

Das Oslo-Abkommen ermöglichte es Israel, den Status des Gazastreifens als einer separaten geopolitischen Entität festzuschreiben – die sich nicht nur außerhalb Palästinas als Ganzem sondern auch abgeschnitten vom Westjordanland wiederfand. Gazastreifen wie Westjordanland befanden sich scheinbar unter der Hoheit der Palästinensischen Autonomiebehörde, aber jede Bewegungsmöglichkeit zwischen ihnen hing von Israels gutem Willen ab – den Israel selten an den Tag legte, der beinahe völlig verschwand, nachdem Benjamin Netanyahu 1996 an die Macht gekommen war. Darüber hinaus kontrollierte Israel, und tut dies bis zum heutigen Tage, die Wasser- und Elektrizitätsinfrastruktur. Seit 1993 nutzte Israel seine Machtposition – oder vielmehr mißbrauchte sie –, um auf der einen Seite das Wohlergehen der jüdischen Siedlergemeinschaft in Gaza sicherzustellen, und auf der anderen Seite, die palästinensische Bevölkerung zur Unterwerfung und zur Aufgabe zu erpressen. Die Menschen in Gaza waren so in den letzten 60 Jahren mal Internierte, mal Geiseln, mal Gefangene in einem unerträglichen Lebensraum.

Eskalation israelischer Politik

Es ist genau dieser historische Kontext, in den wir das Massaker vom Januar 2009 und die Gewalt, die in Gaza in den letzten fünf Jahren gewütet hat, stellen müssen. Die Gewalt ging nicht nur von den Israelis aus. Ein gehöriger Teil der Kämpfe fand kurzzeitig zwischen den Palästinensern selbst statt, obwohl man sagen muß, daß es – angesichts der israelischen Besatzung und Politik – weit weniger interne Gewalt gibt, als unter solchen Umständen zu erwarten wäre. Diese interne Entwicklung ist ein Nebenaspekt des sehr viel wichtigeren Problems der israelischen Gewaltanwendung gegenüber dem Gazastreifen.

Wenn wir vom Jahr 2009 aus zurückschauen, sehen wir klarer als je zuvor das Irreführende der Definition der israelischen Aktionen als »Krieg gegen den Terror«, der sich gegen einen lokalen Zweig von Al-Qaida richte und der das gefährliche Vorrücken des Iran in diesem Teil der Welt oder in der Arena des gefürchteten Kampfs der Kulturen abwehren solle.

Die Ursprünge der vor allem durch Gewalt bestimmten Geschichte Gazas liegen woanders. Die jüngste Geschichte des Streifens – 60 Jahre Vertreibung, Besatzung und Einkerkerung – produzierte unvermeidlich interne Gewalt, wie wir sie in den vergangenen vier Jahren erlebt haben, so wie sie unter solch entsetzlichen Bedingungen andere unerträgliche Lebensumstände produziert.

In der Tat, wenn wir einen näheren Blick auf die der »Operation Gegossenes Blei« vorangegangenen fünf Jahre werfen, läßt sich eine zuverlässige Analyse der Motivation erstellen, die 2009 zur Gewaltanwendung gegenüber den Palästinensern führte. Es gibt zwei historische Zusammenhänge für das, was im Januar dieses Jahres in Gaza geschah. Einer würde uns zurück zur Gründung des Staates Israel führen, dann über die Besetzung des Streifens durch Israel 1967 bis hin zum Oslo-Abkommen von 1993. Diese Langzeitperspektive wird hier nicht präsentiert. Ich möchte die Leser, was diesen Aspekt betrifft, auf mein Buch »Die ethnische Säuberung Palästinas« verweisen. Die zweite Perspektive ist diejenige, die hier vorgestellt wird: die Eskalation der israelischen Politik, die mit den Ereignissen von 2009 zu ihrem Höhepunkt kam.

Die Ideologie der ethnischen Säuberung, die 1948 als das entscheidende Mittel zur Realisierung des Traums von einem sicheren und demokratischen, jüdischen Staat umgesetzt wurde, führte 1967 zur Besetzung des Gazastreifens, die bis 2005 andauerte, als Israel sich angeblich zurückzog. Gaza wurde schon 1994 mit einem elektrischen Zaun umgeben, als Teil der Vorbereitung auf einen Friedensschluß mit den Palästinensern und wurde im Jahr 2000 zum Ghetto, als der Friedensprozeß für tot erklärt wurde. Die Entscheidung der Bevölkerung Gazas, dieser Einsperrung mit gewaltsamen und gewaltlosen Mitteln zu widerstehen, konfrontierte die militärische und politische Elite Israels mit einem neuen Dilemma. Sie ging davon aus, daß die Einkerkerung der Gaza-Bewohner in einem riesigen Gefängnis das Problem langfristig lösen würde. Diese Annahme erwies sich jedoch als falsch. Also hielt man Ausschau nach einer neuen Strategie.

Der Goldstone-Bericht macht deutlich, was die Israelis in Gaza anrichteten. Allerdings enthüllt selbst er nicht das ganze Ausmaß des schrecklichen Gemetzels, das dort geschah. In der folgenden Erörterung versuche ich zu erklären, warum die Israelis so handelten, wie sie es taten.

2004: Die Attrappenstadt

Im Jahr 2004 begann die israelische Armee, in der Negev-Wüste die Attrappe einer arabischen Stadt zu errichten. Sie hatte die Größe einer realen Stadt, mit Straßen (alle mit Namen versehen), Moscheen, öffentlichen Gebäuden und Autos. Errichtet für 45 Millionen Dollar, wurde diese Phantomstadt, nachdem die Hisbollah Israel zum Rückzug im Norden gezwungen hatte, im Winter 2006 zu einem Ersatz-Gaza, damit sich die IDF (Israeli Defense Forces), die israelischen »Verteidigungskräfte«, auf einen »erfolgreicheren Krieg« gegen die Hamas im Süden vorbereiten konnte.

Als der israelische Generalstabchef, Dan Halutz, den Ort nach dem Libanon-Krieg aufsuchte, sagte er der Presse, daß sich die Soldaten »auf das Szenario vorbereiten, das sie in der dichtbesiedelten Bevölkerungsstruktur von Gaza-Stadt vorfinden werden«. Eine Woche nach Beginn des Bombardements wohnte Verteidigungsminister Ehud Barak einer Übung für die Bodenoffensive bei. Ausländische Fernsehteams filmten ihn, während er die Bodentruppen beobachtete, wie sie die Kulissenstadt eroberten, die leeren Häuser stürmten und zweifelsohne die »Terroristen liquidierten«, die sich dort versteckten.

Die israelische Menschenrechtsorganisation »Breaking the Silence« (»Das Schweigen brechen«) veröffentlichte 2009 einen Bericht über die Erlebnisse ihrer Mitglieder, Reservisten und anderer Soldaten, während der »Operation Gegossenes Blei« – so wurde der Angriff von der Armee genannt. Der Kern der Zeugenaussagen war, daß die Soldaten den Befehl bekommen hatten, Gaza anzugreifen, als ob sie massive feindliche Linien angreifen würden: dies ergab sich aus der eingesetzten Feuerkraft, dem Fehlen jeglicher Befehle oder Vorkehrungen für das Verhalten innerhalb einer zivilen Umgebung und dem synchronisierten Vorgehen zu Lande, von der See und aus der Luft. Zum Schlimmsten gehörten die sinnlose Zerstörung von Häusern, das Beschießen von Zivilisten mit Phosphorgranaten, die Tötung von unschuldigen Zivilisten mit leichten Waffen und vor allem die Befehle von Kommandeuren, ohne moralische Skrupel vorzugehen. »Man kommt sich vor wie ein kleines Kind mit einem Brennglas, das Ameisen quält und sie verbrennt«, bezeugte ein Soldat. Kurzum: Sie vollzogen die totale Zerstörung der wirklichen Stadt, so wie sie es bei der Kulissenstadt geübt hatten.

2005: »Operation Erster Regen«

Die Militarisierung der israelischen Politik gegenüber dem Gazastreifen begann 2005. In jenem Jahr wurde Gaza in der offiziellen israelischen Sichtweise zum militärischen Zielobjekt, als wenn es eine riesige feindliche Basis wäre und nicht etwa ein ziviles Bevölkerungszentrum. Gaza ist eine Stadt wie andere Städte in der Welt auch, und dennoch wurde sie für die Israelis eine Attrappenstadt, an der Soldaten mit den neuesten und höchstentwickelten Waffen herumexperimentierten. Diese Politik wurde ermöglicht durch die Entscheidung der israelischen Regierung, die jüdischen Siedler, die den Gazastreifen seit 1967 kolonisierten, abzuziehen. Die Siedler wurden angeblich entfernt als Teil, so verlautbarte die Regierung, einer Politik des einseitigen Rückzugs. Das Argument lautete: Da es keinen Fortschritt bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern gab, war es jetzt an Israel zu entscheiden, wie seine endgültigen Grenzen zu den palästinensischen Gebieten aussehen sollten.

Aber die Dinge entwickelten sich nicht so wie erwartet. Dem Abzug der Siedler folgte die Machtübernahme durch die Hamas, zunächst in demokratischen Wahlen (2006), dann durch einen Präventivschlag, um die von Amerikanern und Israelis unterstützte Machtübernahme durch die Fatah zu verhindern (2007). Die unmittelbare israelische Antwort war die ökonomische Blockade des Streifens, die von der Hamas durch den Raketenbeschuß der nächstgelegenen israelischen Stadt, Sderot, vergolten wurde. Dies gab Israel den Vorwand, seine Luftwaffe, Artillerie und Kanonenboote einzusetzen. Israel behauptete, die Raketenabschußorte zu beschießen, aber in der Praxis schloß dies keinen Ort im Gaza­streifen aus.

Die Menschen in ein Gefängnis sperren und die Schlüssel ins Meer werfen – so bezeichnete der UN-Sonderberichterstatter John Dugard dies–, war eine Option, auf die die Palästinenser in Gaza schon im September 2005 mit Gewalt reagierten. Sie waren entschlossen, zumindest darauf hinzuweisen, daß sie immer noch Teil des Westjordanlandes und Palästinas sind. In diesem Monat schossen sie zum ersten Mal eine – von der Quantität, nicht der Qualität her – signifikante Zahl von Raketen in die Negev-Wüste, was zumeist Gebäudeschäden, aber sehr selten Todesfälle verursacht. Die Ereignisse in diesem Monat verdienen eine genauere Darstellung, denn die Reaktion der Hamas hatte zuvor in einem sehr sporadischen Raketenbeschuß bestanden. Der Beschuß im September 2005 war die Antwort auf eine israelische Verhaftungswelle, die Aktivisten der Hamas und des Islamischen Dschihads betraf. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Armee eine Hamas-Reaktion provozieren wollte, die es Israel wiederum erlauben würde, seine Angriffe zu eskalieren. Und in der Tat, das, was folgte, war eine Politik der massiven Tötungen, die erste dieser Art, genannt »Erster Regen«. Es lohnt sich, einen Moment bei der Art dieser Operation zu verbleiben. Der Diskurs, der mit ihr einherging, war der einer Bestrafung, und diese ähnelte Strafmaßnahmen, die in einer entfernteren Vergangenheit von den Kolonialmächten und in einer jüngeren von Diktaturen gegen eingeschlossene, rebellische oder unter Bann gelegte Bevölkerungsgruppen durchgeführt wurden. Eine erschreckende Demonstration repressiver Gewalt endete mit einer hohen Zahl von Toten und Verwundeten unter den Opfern. Während der »Operation Erster Regen« wurde die gesamte Bevölkerung durch Überschallflüge terrorisiert, gefolgt von schwerem Bombardement weiter Gebiete von Land, See und aus der Luft. Die dahinterstehende Logik, so erklärte die Armee, war es, Druck zu erzeugen, um die Unterstützung der Bevölkerung für diejenigen zu schwächen, die Raketen abfeuerten. Wie zu erwarten war, auch von den Israelis, erhöhte die Operation nur die Unterstützung für den Raketenbeschuß und befeuerte diejenigen, die sie abschossen.

Rückblickend und angesichts der Erklärung der Kommandeure, daß die Armee sich lange auf die »Operation Gegossenes Blei« vorbereitet habe, scheint es durchaus möglich, daß es die eigentliche Absicht dieser besonderen Aktion (»Erster Regen«) war, ein Experiment durchzuführen. Falls die israelischen Generäle dabei herausfinden wollten, wie solche Operationen im eigenen Land, in der Region und in der Welt ankommen, scheint die unmittelbare Antwort »sehr gut« zu sein. Niemand nämlich interessierte sich für die Dutzenden von Toten und Hunderten von Verwundeten, die zurückblieben, nachdem der »Erste Regen« vorbeigezogen war.

Und vom »Ersten Regen« bis zum Juli 2006 liefen alle folgenden Operationen nach demselben Strickmuster ab. Der Unterschied war allein einer der Intensität: mehr Feuerkraft, mehr Opfer, größere »Kollateralschäden« und – erwartungsgemäß – mehr Qassam-Raketen als Antwort. All dies Begleitmaßnahmen zur Absicherung der totalen Einkerkerung der Bevölkerung im Jahr 2006 durch Boykott und Blockade, während die Welt schwieg.

2006: Gaza-Kompensation

Panzergranaten, Bombardierung aus der Luft und von der See und brutale Einfälle waren 2006 an der Tagesordnung. Aber als Israel an einer anderen Front eine Niederlage erlitt, im Süden Libanons im Sommer 2006, intensivierte die Armee ihre Strafmaßnahmen gegen anderthalb Millionen Menschen, die auf den dichtest bevölkerten 40 Quadratkilometern der Welt leben, noch einmal. Die Politik Israels unmittelbar nach der Niederlage in Süd-Libanon wurde noch gewalttätiger und erbarmungsloser. Die Art der Waffen, die Israel einsetzte – 1000-Kilo-Bomben, Panzerfahrzeuge, Raketen aus der Luft, Granaten vom Meer her gegen zivile Gebiete –, war nicht gedacht um abzuschrecken, zu verwunden oder zu warnen. Sie sollte töten.

Es konnte nicht überraschen, daß die Reak­tion der Hamas immer verzweifelter wurde. Einige Beobachter, innerhalb wie außerhalb Israels, schrieben die Eskalation dem Wunsch zu, deutlich zu machen, daß die israelische Armee sich nach der Demütigung, die ihr durch die Hisbollah im Libanon zugefügt wurde, sofort wieder erholt hatte. Die Armee mußte ihre Überlegenheit und ihre Abschreckungskraft beweisen, die allein – so glaubt sie – die Garantie für das Überleben des jüdischen Staats in einer feindlichen Welt bietet. Die islamische Natur von Hamas wie Hisbollah und eine angebliche, frei erfundene Verbindung beider mit Al-Qaida, ermöglichte es der Armee, Israel als Speerspitze eines globalen Kriegs gegen den islamischen Dschihad in Gaza zu porträtieren. Während der Amtszeit von ­George W. Bush akzeptierte sogar die amerikanische Regierung das Töten von Frauen und Kindern als Teil dieses heiligen Krieges gegen den Islam.

Der schlimmste Monat jenes Jahres war der September, als dieses neue Muster in der israelischen Politik offensichtlich wurde. Fast täglich wurden Zivilisten von der Armee getötet. Der 2. September war dafür typisch. Drei Zivilisten wurden getötet und eine ganze Familie verwundet. Das war die morgendliche Ausbeute. Am Ende des Tages waren sehr viele mehr getötet. Im Schnitt starben in jenem Monat acht Palästinenser pro Tag durch israelische Angriffe auf den Gazastreifen. Viele von ihnen waren Kinder. Hunderte wurden verstümmelt, verwundet, gelähmt.

Das systematische Töten hatte mehr als alles andere den Anschein des Gewohnheitsmäßigen und zwar aufgrund des Fehlens einer klaren Politik. Die israelische Führung schien im September 2006 nicht zu wissen, was sie mit Gaza anfangen sollte. Wenn man ihre Verlautbarungen zu der Zeit liest, drängt sich einem die Vermutung auf, daß die Regierung jenes Jahres sich ihrer Politik gegenüber dem Westjordanland ziemlich sicher war; aber dies galt nicht für den Gazastreifen. Die Regierung nahm das Westjordanland, anders als Gaza, als einen offenen Raum wahr, zumindest auf seiner östlichen Seite. Von daher glaubte sich Israel berechtigt – im Namen einer Strategie, die der damalige Premierminister Ehud Olmert als »Ernteeinbringung« bezeichnete –, einseitige Aktionen zu unternehmen, da es im Friedensprozeß keinen Fortschritt gab. In der Praxis bedeutete dies, daß die israelische Regierung sich offensichtlich vorstellte, die Teile des Westjordanlandes, die sie begehrte – mehr oder weniger die Hälfte –, zu annektieren und den Versuch zu unternehmen, die indigene Bevölkerung zu vertreiben oder sie zumindest in Enklaven einzusperren, während sie der anderen Hälfte des Westjordanlandes zu erlauben gedachte, sich in einer Weise zu entwickeln, die israelische Interessen nicht gefährden würde (entweder durch die Herrschaft einer gefügigen palästinensischen Regierung oder durch eine direkte Vereinigung mit Jordanien). Dies erwies sich als Trugschluß, der aber dennoch die begeisterte Zustimmung der meisten Juden im Lande gewann, als Olmert ihn zum entscheidenden Teil seines Wahlkampfs machte.

Diese Strategie war jedoch nicht auf den Gaza­streifen übertragbar. Ägypten gelang es – im Gegensatz zu Jordanien –, die Israelis schon 1967 davon zu überzeugen, daß der Gazastreifen für das Land eine Belastung wäre und niemals Teil Ägyptens sein würde. Also blieben die anderthalb Millionen Palästinenser ein Problem unter israelischer Verantwortung. Obwohl der Streifen geographisch am Rande Israels liegt, befand er sich noch 2006 – psychologisch gesehen – genau in dessen Zentrum.

Die unmenschlichen Lebensbedingungen in Gaza machten es der Bevölkerung unmöglich, sich mit der Einsperrung, die Israel ihr seit 1967 zugemutet hatte, abzufinden. Es gab durchaus bessere Perioden, als der Zugang zum Westjordanland und nach Israel zwecks Arbeit erlaubt war, aber diese besseren Zeiten waren 2006 vorbei. Der Zugang zur Außenwelt war erlaubt, solange jüdische Siedler im Gazastreifen lebten, aber kaum waren sie abgezogen, wurde Gaza hermetisch abgeriegelt. Ironischerweise hielten die meisten Israelis, so Meinungsumfragen, Gaza für einen unabhängigen palästinensischen Staat, dessen Entstehung Israel großzügigerweise gestattet hatte. Die Führung und insbesondere die Armee sahen Gaza als ein Gefängnis mit höchst gefährlichen Insassen an, mit denen man auf die ein oder andere Weise fertig werden mußte.

Die herkömmliche israelische Politik der ethnischen Säuberung, der 1948 die Hälfte der Bevölkerung Palästinas und 1967 Hunderttausende Palästinenser des Westjordanlandes erfolgreich unterworfen wurden, war in bezug auf Gaza nicht durchsetzbar.

Anmerkungen

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Junge Welt.

Abraham Melzer (Hg.): »Goldstone-Bericht« – Bericht der Untersuchungskommission der Vereinten Nationen über den Gaza-Konflik. Melzer Verlag, Neu-Isenburg 2010, 816 Seiten, 25 Euro* Semit edition, ISBN 978-3-9813189-4-4, auch im jW-Shop erhältlich

Übersetzt von: Jürgen Jung

Das Massaker an der Familie As-Samouni- 29 Märtyrer

Wie die Familie Samouni aus dem Viertel Zaytoun 29 Angehörige verlor

von Amy Goodman

11.01.2010 — Democracy Now! / ZNet

Ein Jahr nach den israelischen Angriffen auf Gaza erinnern wir uns an den tödlichen Angriff auf das Viertel Zaytoun. In diesem Bauernviertel von Gaza-Stadt lebt die Familie Samouni, die bei dem Angriff 29 Angehörige verlor. Anjali Kamat und Jacquie Soohen besuchten die Überlebenden der Familie im März 2009.

Anjali Kamat:

Nun zu Gaza, wo an diesem Wochenende mindestens fünf Palästinenser bei israelischen Angriffen starben. Drei der Toten gehörten angeblich der Gruppe ‚Islamischer Dschihad an‘. Sie starben am Sonntagabend bei einem israelischen Luftangriff. Mindestens zwei Menschen wurden zuvor am Samstag von israelischen Soldaten erschossen – nahe der nördlichen Grenze (von Gaza). Die Angriffe erfolgten, nachdem Premierminister Netanjahu vor einem möglichen Wiederaufflammen der Raketenangriffe aus Gaza gewarnt hatte. Er sagte, in der vergangenen Woche seien 20 Raketen bzw. Mörsergranaten eingeschlagen. Auf israelischer Seite gab es keine Verletzten.

Amy Goodman:

Ebenfalls an diesem Wochenende teilte Ägypten mit, dass es keine weiteren humanitären Hilfskonvois über Ägypten nach Gaza durchlassen werde. Am Freitag wurde der britische Parlamentsabgeordnete George Galloway, der den Viva-Palestina-Hilfskonvoi geleitet und schließlich nach Gaza gebracht hatte, aus Ägypten abgeschoben. Ägypten erklärte ihn zur „persona non grata“ und verwies auf Zusammenstößen mit ägyptischen Sicherheitskräften, zu denen es in Grenznähe gekommen war.

Zudem wird Ägypten für den Beschluss kritisiert, entlang seiner Grenze zu Gaza eine unterirdische Mauer bauen zu wollen. Dadurch würde sich die Blockade gegen die 1,4 Millionen Palästinenser von Gaza weiter verschärfen. Seit mehr als zweieinhalb Jahren leben diese Menschen unter Belagerung

Anjali Kamat:

Wir erinnern uns nun an den tödlichen Angriff auf ein Viertel in Gaza, der sich vor einem Jahr ereignete. Die Samouni-Familie lebt in einem Bauernviertel von Gaza-Stadt. Sie verlor bei jenem Angriff 29 Angehörige. Im März 2009 besuchte ich die überlebenden Mitglieder der Familie:

Report vom März 2009

Anjali Kamat:

Als wir nach Zaytoun kommen, hören die Obstgärten im Südosten von Gaza-Stadt abrupt auf. Wir sind unterwegs an jenen Ort, an dem sich eines der schlimmsten Massaker des israelischen Angriffs auf Gaza vor einem Jahr abgespielt hat. Vor zwei Monaten (Anfang Januar 2009) wurde Zaytoun bombardiert. Noch immer wirkt das Bauernstädtchen wie ausgestorben: Abwasserpfützen, gebrochene Rohre, aufgewühltes Ackerland, zerstörte Hühnerställe, Häuser, die dem Erdboden gleichgemacht wurden und Schuttberge überall.

Ein junger Mann namens Fadi Samouni führt uns durch sein Viertel und zeigt, wo die Häuser seiner Verwandten gestanden haben.

Fadi Samouni (Übersetzung):

Das hier war das Haus von Fares As Samouni. Das Haus dahinter gehörte seinem Sohn, Wael As Samouni. Das war das Haus von Nafez As Samouni, daneben das von Saleh As Samouni, und daneben die Häuser von Ziyad As Samouni, Abu Khalil As Samouni, Jihad As Samouni und Hamed As Samouni. Das hier war das dreistöckige Haus von Asad Samouni und hier stand das von Azzat – auch er ein Samouni.

Anjali Kamat:

Der israelische Angriff auf Zaytoun traf die Familie Samouni besonders hart. Sie verlor bei den Luft- und Bodenoperationen (der Israelis) Anfang Januar 29 Angehörige. 21 von ihnen wurden in einem Gebäude getötet, in dem sie Schutz gesucht hatten. Tags zuvor hatten israelische Soldaten ihnen befohlen, sich in dieses Haus zu begeben. 8 weitere Angehörige starben bei separaten Vorkommnissen.

Hamed Samouni ist einer der Überlebenden. Er berichtet, wie alles begann – am Morgen des 4. Januar 2009.

Hamed Samouni (Übersetzung):

Beim erstenmal kamen sie mit Apache-Hubschraubern. Sie kamen zuerst in dieses Haus hier. Ich hörte den Lärm auf dem Dach und dachte, vielleicht ist es der Widerstand. Sie kamen durch das Dach, drangen ein, während alle schliefen. Die Israelis traten die Türen ein – mit gezogenen Waffen. Sie sagten, alle müssten die Arme hochheben. Sie durchsuchten alles und verbanden den Leuten die Augen.

Anjali Kamat:

In den darauffolgenden Stunden warfen Flugzeuge Bomben ab. Die Familien rannten, um Schutz vor den Fliegern und den Bomben über ihren Köpfen zu suchen. Sie gingen von Haus zu Haus – auf der Suche nach Sicherheit. Viele der Überlebenden berichten uns, dass die israelischen Soldaten circa 100 Zivilisten befohle hatten, sich in ein bestimmtes Haus zu begeben. Es war das Haus von Wael As Samouni. Ihre Berichte wurden durch mehrere unabhängige Untersuchungen – unter anderem durch den Goldstone-Report – bestätigt.

Die 38jährige Bäuerin Naheel Abdallah As Samouni erzählt, wie ihre Familie – nachdem sie aus ihrem eigenen Haus geflohen war -, in Waels Haus kam.

Naheel Abdallah As Samouni (Übersetzung):

Wir entkamen in das Haus unseres Nachbarn, Abu Salah As Samouni. Es war aus Beton gebaut. Wenige Sekunden, nachdem wir dort eingetroffen waren, wurden das Bombardement und die Schießereien heftiger. Die israelischen Soldaten brachten die Familien von Rashad und Ibrahim in das gleiche Haus. Wir waren nun rund 60 Personen. Alle weinten und hatten schreckliche Angst. Nach einigen Sekunden kamen die Israelis zur Tür herein und sagten, wir müssten hier raus. Sie wiesen die Männer an, ihre Hemden hochzuziehen und führten Leibesvisitationen durch. Wir hatten solche Angst; wir rannten barfuß auf die Straße und suchten Zuflucht im Haus von Wael As Samouni.

Anjali Kamat:

Auch Fadi Samouni ging in das Haus von Wael.

Fadi Samouni (Übersetzung):

Gegen 5 Uhr 30 wurde das Bombardement wieder stärker. Die ganze Nacht über waren Flugzeuge über unsere Köpfe geflogen. Ich und meine Familie wollten aus dem Haus fliehen. Als ich gerade die Tür öffnen wollte, schlugen zwei Bomben in das Haus ein. Wir flohen in das Haus von Abu Salah – möge Gott ihm gnädig sein. Nach 5 Minuten brach im 3. Stock des Hauses ein Feuer aus. Drei von uns – Ahmad, Salah und ich – schafften es hinaus. Wir entkamen und rannten zu Wael As Samounis Haus. Dort geschah das Massaker.

Anjali Kamat:

Auf dem Weg zu diesem Haus rannte Fadi einer Gruppe Bewaffneter in die Arme, die er zunächst – aufgrund ihrer Kleidung – für palästinensische Militante hielt.

Fadi Samouni (Übersetzung):

Wir stießen auf 6 (israelische) Soldaten. Zuerst hielten wir sie für Widerstandskämpfer und sagten, sie sollten von hier verschwinden. Sie richteten ihre Gewehre auf uns und befahlen uns näherzukommen. Als wir uns näherten, befahlen sie uns niederzuknien. Sie durchsuchten uns sehr gründlich und fragten, wer hier in der Gegend bei der Hamas sei und wer beim ‚Islamischen Dschihad‘. Wir sagten, wir gehörten keiner Gruppierung an. Alle hier seien Bauern oder Taxifahrer, wie sie ja sehen könnten.

Anjali Kamat:

Den Rest des Tages drängten sich Dutzende Familienmitglieder im Haus von Wael As Samouni, das noch im Bau war. Sie hatten sehr wenig Wasser und Essen. Draußen durchstreiften israelische Panzer die Straßen.

Die Bombardierung begann in aller Frühe am nächsten Morgen. Lamya Samounis Sohn Hamdi war einer der Ersten, die getötet wurden. Er war mit einigen anderen nach draußen gegangen, um Feuerholz zu suchen und um Verwandten zu helfen, die im nahen Obstgarten festsaßen.

Lamya Samouni (Übersetzung):

Einige Leute befanden sich zwischen den Bäumen. Sie wohnten in den Bäumen, hatten sich ein Zimmer in den Bäumen eingerichtet. Sie sagten: „Rettet uns. Wir wollen mit euch gehen“. Sie mussten zwei Steine wegräumen. Mein Sohn Hamdi und ein anderer junger Mann – Mohammad Ibrahim Al Samouni – begannen, diese Steine wegzuräumen, als die Bombe fiel. Sie traf Mohammad und Hamdi.

Anjali Kamat:

Dann schlug ein weiteres Geschoss ein. Das Haus von Wael As Samouni war voller Menschen, fast 100 Zivilisten. Naheel schildert den Schrecken, als das Haus erneut mit Granaten angegriffen wurde.

Naheel Abdallah As Samouni (Übersetzung):

Binnen Sekunden schlug eine weitere Bombe aus Norden kommend ein. Wir fielen alle zu Boden und schrien vor Angst. Wir hatten extreme Angst. Die Männer sagten, wer noch laufen kann, solle sofort hier raus. Aber bevor ich gehen konnte, wurde mein Mann verwundet. Er sagte: „Mein Bein ist weg“. Ich sagte: „Was meinst du mit „weg“?“ Ich nahm meinen Schleier ab und versuchte damit, die Blutung zu stillen. Aber er war sehr schwer verletzt und verlor das Bewusstsein.

Anjali Kamat:

In all dem Chaos nach der Bombardierung – Rauch und Staubwolken -, flohen die, die noch konnten, aus dem Haus. Sie glaubten, die anderen im Haus seien alle tot. Aber unter dem Schutt und den Leichen lagen noch Lebende – auch der Mann von Naheel – Nafez As Samouni – lebte noch.

Nafez As Samouni (Übersetzung):

Ich sagte zu meiner Frau: „Ich bin verletzt. Ich bin verwundet“. Sie sagte: „Was soll ich tun? Die Leute wollen hier raus“. Es waren über 100 Menschen in dem Haus, es war voller Menschen.

Anjali Kamat:

Nafez stand das Schlimmste noch bevor.

Nafez As Samouni (übersetzt):

Einige gingen und einige…. um mich herum lagen zwischen 19 und 25 Tote. Ich verbrachte die nächsten 4 Tage damit, sie zu betrachten.

Naheel Abdallah As Samouni (Übersetzung):

Mein Mann verbrachte 4 Tage unter Leichen. Wir fingen an zu schreien und zu weinen. Ich dachte, auch er sei ein Märtyrer geworden. Ich sagte allen, mein Sohn und mein Mann sind zu Märtyrern geworden.

Nafez As Samouni (Übersetzung):

Ich schwöre, dass die Köpfe der Leichen abgetrennt waren. O mein Gott.

Anjali Kamat:

Nafez As Samoudi ist noch immer traumatisiert durch die Zeit, die er, zwischen den Leichen seiner Angehörigen gefangen, verbringen musste. Viele der Toten waren Alte, Frauen und Kleinkinder. Mittlerweile erhielt der ‚Palästinensische Rote Halbmond‘ 145 Notrufe aus Zaytoun, aber die israelischen Bodentruppen ließen die Ambulanzen nicht in das Viertel hinein.

Fadi Samouni (Übersetzung):

Wenn sie die Ambulanzen gleich zu Beginn durchgelassen hätten, wäre es nicht passiert. Aber niemand war in der Lage, (auf unsere Notrufe) zu reagieren.

Anjali Kamat:

Zweieinhalb Tage später, als endlich Hilfe in das Gebiet gelassen wurde, kam sie zu Fuß. Mediziner kamen zu Fuß und schafften Nafez und eine handvoll anderer Überlebender auf Eselskarren ins Krankenhaus. Immer noch weigerten sich die israelischen Truppen, Ambulanzen bis zum Haus (von Wael) zu lassen.

21 Tote wurden zurückgelassen. Erst am 18. Januar, als der Waffenstillstand erklärt wurde, konnten die Überlebenden zurückkehren. Sie fanden die meisten ihrer Häuser sowie ihre Moschee zerstört vor. Wael As Samounis Haus stürzte nach dem Bombardement über den Toten zusammen. Hamed As Samouni erinnert sich noch an den Leichengeruch, während er versuchte, die Toten unter dem Schutt des Hauses hervorzuziehen.

Hamed Samouni (Übersetzung):

Ich war als Erster an dem Ort, wo die Bombe gefallen war. Eine kleine Grube, ein Loch, war zu sehen. Ich stieg hinein und fand sie alle. Sie lagen seit 17 Tagen unter Trümmern. Als wir versuchten, sie zu bergen, blieb die Haut ihrer Körper an unseren Händen hängen. Wir zogen ihre verwesenden Leiber mit unseren Händen heraus. All unsere Bitten um Ambulanzen für diesen Ort und für diese Aufgabe, die wir an den Roten Halbmond gerichtet hatten, liefen ins Leere.

Anjali Kamat:

Zwei Monate nach dem Massaker ist der Horror der Überlebenden noch immer frisch.

Naheel Abdallah As Samoudi (Übersetzung):

Wir können nicht vergessen, was passiert ist. Die Mädchen weinen jeden Tag. Sie erinnern sich an ihren Onkel. Es ist wie ein Traum. Wir wachten auf, und die Israelis standen über uns. Sie brachten uns von unseren Häusern weg. Bomben gingen auf uns nieder. Wir können noch immer nicht glauben, was mit uns geschehen ist.

Hamed Samouni (Übersetzung):

Wenn Sie abends um 22 Uhr an diesen Ort kommen, werden Sie Furcht empfinden, denn es ist jetzt Geisterland. 29 Menschen sind hier zu Märtyrern geworden. Wie kann man von uns nur erwarten, hierher zu kommen, hier zu schlafen, zu essen und zu trinken? Selbst Hunde leben besser als wir.

Anjali Kamat:

Wir trafen ein 8jähriges Mädchen, das mitansehen musste, wie seine Mutter bei dem Angriff auf Zaytoun starb. Sie steht neben einem Haufen aus zerstörten Gegenständen. Sie beschreibt, an was sie sich noch erinnern kann, als das Haus von Wael mit Granaten beschossen wurde.

8jähriges Mädchen (Übersetzung):

Alles brannte. Es gab keine Türen. Wir konnten nicht schlafen, hatten keine Matratzen, keine Betten, kein Essen. Alles war schwarz. Rauch drang von draußen herein und setzte sich an der Wand fest. Alle sind zu Märtyrern geworden.

Ende des Berichts.

Anjali Kamat:

Heute – mehr als ein Jahr später – stehen in dem Gebiet immer noch keine neuen Häuser.

Die Samounis leben weiter im Elend, in Behelfsunterkünften, die sie aus den Trümmern ihres früheren Lebens zusammengebastelt haben.

Hamed Samoudi (Übersetzung):

Niemand in der Welt interessiert sich für uns. Die Israelis töten uns. Am Ende geben sie und 200 Schekel oder 500. Das soll unsere Entschädigung sein – als ob es nur ums Essen und ums Trinken ginge.

Anjali Kamat:

Im Goldstone-Report steht, dass die 21 Zivilisten, die im Haus von Wael As Samoudi starben, durch israelisches Feuer getötet wurden, das bewusst gegen sie gerichtet worden sei. Zudem wirft der Report der Israelischen Armee (IDF) vor, die Evakuierung der Verletzten willkürlich verhindert zu haben und verhindert zu haben, dass verletzte Zivilisten Erste Hilfe erhalten konnten. Außerdem wirft der Bericht der Armee vor, in Zaytoun bewusst Wohnhäuser zerstört zu haben. Die offizielle Untersuchung der Israelischen Regierung zu den Todesfällen steht noch aus. Laut der Überlebenden hat Israel bislang keinen Kontakt zu ihnen aufgenommen, um sie als Zeugen zu befragen. Ein Jahr nach dem Massaker wartet die Familie Samoudi noch immer auf Gerechtigkeit.

Das war ein Report für Democracy Now! – von Anjali Kamat und Jacquie Soohen von Big Noise Films.

Amy Goodman:

Vielen Dank für diesen Bericht, Anjali.

Danke.

Amy Goodman ist Moderatorin des TV- und Radioprogramms ‚Democracy Now!‘, das aus rund 500 Stationen in Nordamerika täglich/stündlich inte

Anjali Kamat:

http://zmag.de/artikel/gaza-bericht-ueber-ein-massaker-bei-dem-israelischen-angriff-vor-ueber-einem-jahr

Israels Mitleid in Haiti kann nicht unser hässliches Gesicht in Gaza verstecken

von Akiva Eldar

18.01.2010 — Ha’aretz

— abgelegt unter:

Wer behauptet denn, dass wir uns in unserer Tel Aviver Seifenblase verstecken. Wie viele kleine von Feinden umgebene Länder stellen Feldlazarette auf die andere Seite der Welt?

Man gebe uns ein Erdbeben in Haiti, einen Tsunami in Thailand oder einen Terrorangriff in Kenia und der Sprecher des IDF-Büros wird triumphieren. Ein Frachtflugzeug wird sich immer finden, um Armeejournalisten einzufliegen, die über unsere feinen jungen Leute von der Heimatfront berichten werden.

Jeder macht wahrlich einen wunderbaren Job: die Retter, die nach Überlebenden suchen, die Ärzte, die Leben retten und auch die Berichterstatter, die allen auf den Rücken klopfen. Nachdem der stellvertretende Außenminister Danny Ayalon das Gesicht wurde, das wir der Welt zeigen, kann nun die ganze internationale Gemeinschaft die gute Seite Israels sehen.

Aber die bemerkenswerte Identifizierung mit den Opfern der schrecklichen Tragödie im entfernten Haiti unterstreicht nur die Gleichgültigkeit gegenüber dem andauernden Leiden des Volkes vom Gazastreifen. Kaum ein Stunde Fahrt von den Büros von Israels großen Zeitungen, werden 1,5 Mill. Menschen seit 2 ein halb Jahren auf einer Wüsteninsel belagert. Wer macht sich Sorgen über 80% der Männer, Frauen und Kinder, die in unserer Nähe wohnen und unter die Armutslinie gefallen sind. Wie viele Israelis wissen, dass die Hälfte der Bevölkerung von Hilfsorganisationen abhängig ist, dass der Krieg im Winter 08/09 Hunderte von Amputierten geschaffen hat, dass die Abwässer ungereinigt über die Straßen ins Meer fließen?

Der israelische Zeitungsleser weiß von dem Baby, das aus den Trümmern in Port au Prince gezogen wurde. Nur wenige haben von den Kindern gehört, die in den Ruinen ihrer Häuser in Gaza schlafen. Die IDF haben es Reportern verboten, den Gazastreifen zu betreten. Das ist eine wunderbare Entschuldigung, unsern Kopf in den Sand von Tel Avivs Sandstrand zu stecken. An guten Tagen findet man die ernüchternden Berichte der Menschenrechtsorganisationen wie B’tselem, Gisha, Legal Center for Freedom of Movement und den Ärzten für Menschenrechten in Israel über die Situation im Gazastreifen auf den letzten Seiten der Zeitung. Um eine Idee zu bekommen, wie das Leben im größten Gefängnis der Welt aussieht muss man zu ausländischen Fernsehsendern gehen.

Die Katastrophe in Haiti ist einen neutrale. Die im Gazastreifen ist eine wenig rühmliche von Menschen gemachte. Unsere Handarbeit. Die IDF hat keine Frachtflugzeuge mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung nach Gaza geschickt. Die Raketen, die Israels Luftwaffe vor einem Jahr dorthin sandte, hat fast 60 000 Häuser und Fabriken getroffen und 3500 von ihnen in Schutt verwandelt. Seitdem leben 10 000 Menschen ohne fließend Wasser, 40 000 ohne Strom. 97% der Fabriken liegen still, weil Israel kein Rohmaterial ins Land lässt. Bald ist es ein Jahr, dass die internationale Gemeinschaft eine Konferenz in Sharm el Sheikh zusammenrief und 4,5 Milliarden für Gazas Wiederaufbau zur Verfügung stellte. Doch Israel lässt kein Baumaterial rein, so verliert auch das Geld seinen Wert.

Ein paar Tage bevor Israels Ärzte eilten, um das Leben verletzter Haitianer zu retten, verhinderten die Behörden am Erez-Checkpoint, dass 17 Leute mit Augenproblemen die Grenze nicht passieren durften und so die Transplantationen in Ramallah nicht gemacht werden konnten. Vielleicht hatten sie die Hamas gewählt. Zur selben Zeit, in der israelische Psychologen Haitis Waisenkinder liebevoll betreuen, achten israelische Inspektoren sehr darauf, dass keine Puppe, oder Notebook oder ein Tafel Schokolade in einen Container kommt, der die wichtigsten Dinge nach Gaza bringt. Was, wenn die Goldstone Kommission verlangt, dass Israel die Blockade vom Gazastreifen aufhebt und die kollektive Bestrafung seiner Bewohner beendet? Nur diejenigen, die Israel hassen, können frontier justice ?? gegen das erste Land anwenden, das in Haiti ein Feldlazarett aufgebaut hat.

Nun, Haitis Milizen haben keine Raketen nach Israel abgefeuert. Aber die Belagerung von Gaza hat die Granaten nicht angehalten. Das Verbot Koriander, Essig oder Ingwer seit 2007 in den Gazastreifen zu bringen, war mit der Absicht verbunden, die Entlassung von Gilad Shalit zu beschleunigen und das Hamas-Regimes zu stürzen. Wie jeder weiß, war keine der Missionen besonders erfolgreich, und trotz internationaler Kritik hält Israel die Tore zum Gazastreifen geschlossen.

Selbst die Bilder unserer exzellenten Ärzte in Haiti können unser hässliches Gesicht im Gazastreifen nicht verwischen.

Übersetzt von: Ellen Rohlfs

Strom in Gaza abgestellt

Mittwoch, 27. Januar 2010

Morgen wird der Strom in Gaza abgestellt

Das einzige Elektrizitätswerk in Gaza wird morgen Donnerstag seine Stromproduktion einstellen müssen, weil die Europäische Union (EU) die Finanzierung der Treibstofflieferung beendet hat, sagte Kenan Obeid, Vizevorsitzender der palästinensischen Energiebehörde, wie das palästinensische Informationszentrum (PIC) berichtet.

In einem Statement, welches der PIC zugesandt wurde, rief er die arabischen Länder und alle freien Menschen der Welt auf, sofort etwas zu unternehmen, um Gaza zu retten.

Hausaufgaben machen im Schein einer Petroleumlampe in Gaza:

Obeid sagt, dass die Hälfte der Kapazität des Werks am vergangenen Montag bereits eingestellt wurde, weil Israel die Lieferung von Öl gestoppt hat, welches notwendig ist, um das Werk zu betreiben.

Er betonte, dass die EU die Zahlung des Treibstoffs seit 1. Dezember 2009 beendet hat, und er fügte hinzu, das Werk hat seitdem auf einem reduzierten Niveau gearbeitet.

Die Energiebehörde hat keine andere alternative Quelle, ausser Strom aus Israel zu beziehen, sagte der Offizielle, und meinte, dass seine Behörde die eingeschränkte Verfügbarkeit von Strom nach einem Zeitplan in Gaza verteilen würde. Das heisst, gewisse Wohngebiete haben abwechselnd über viele Stunden keinen Strom und sitzen im Dunkeln.

Hauptsächlich Spitäler mit ihrer medizinischen Apparatur sind davon betroffen, aber jeder der ein Elektrogerät betreibt oder Licht benötigt. Damit kommt Gaza teilweise zu einem kompletten Stillstand und lebt wie im Mittelalter. Die Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen wird sich mit Petroleumlampen und Kerzen behelfen müssen.

Obeid bat um sofortige Hilfe, um die Menschen in Gaza zu retten, besonders die Kranken und die Kinder.

Kommentar: Wie scheinheilig und heuchlerisch ist doch der Westen. Zuerst wird Gaza in die Steinzeit gebombt, dann wird durch eine Blockade die Lieferung von Lebensmittel, Wasser, Baumaterial usw. total eingeschränkt und jetzt stellt man den Menschen im Gaza-Streifen auch noch den Strom ab. Auf der anderen Seite wird wegen Haiti ein riesiges Geschrei gemacht, Konzerte mit Promis veranstaltet und überall für die Opfer des Erdbebens Geld gesammelt. Was ist aber mit Palästina und speziell Gaza? Dort ist keine Naturkatastrophe passiert, sondern ein bewusst von Menschen gemachtes Unheil, mit Vertreibung, Völkermord und Zerstörung, und das schon seit über 60 Jahren!!!

Was noch unglaublicher ist, Palästina könnte sich komplett mit Energie selbst versorgen, denn vor der Küste von Gaza gibt es riesige Erdgasvorkommen im Meer. Sie würden gar keine fremde Hilfe von der EU oder sonst wen benötigen. Nur, man erlaubt ihnen nicht die Gewinnung, sondern Israel und Ägypten haben sich die Gasfelder unter den Nagel gerissen und den Palästinensern gestohlen, wie ich in diesem Artikel berichtet habe: „Im Krieg gegen Gaza geht es auch um die Ressourcen„.

Israel ist als Besatzungsmacht über die palästinensischen Gebiete für das Wohl der Bevölkerung unter ihrer Kontrolle verantwortlich und muss laut UNO-Charta für alle lebensnotwendigen Grundlagen sorgen, wie Nahrung, Wasser, Medizin, Behausung, Schulen und selbstverständlich auch Strom. Alleine deswegen ist eine Blokade laut internationalen Recht völlig illegal und alle Regierungen der Welt, welche die völkerrechtswidrige Politik Israels dulden oder sogar unterstützen, wie die EU-Länder und die USA, machen sich strafbar und sind ebenfalls zu verurteilen.

Wenn sie diese Verantwortung nicht wollen, dann müssen sie als Konsequenz den Palästinensern einen eigenen Staat zugestehen und dessen Existenzrecht anerkennen. Dann können sie sich um sich selber kümmern. So wie es seit langem läuft, macht Israel weder das eine noch das andere.