Keiner will Barak sehen

Keiner will Barak sehen

Israelischer Verteidigungsminister versucht in der Türkei, die bröckelnden Beziehungen zu kitten

Von Rainer Rupp
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Staats- und Regierungschefs der arabischen Staaten für ihre unzureichenden Reaktionen auf die Not der Palästinenser infolge der bereits drei Jahre andauernden israelischen Blockade des Gazastreifens kritisiert. Die Antwort der meisten arabischen Regierungen auf das Leiden der Palästinenser sei »erbärmlich«, erklärte Erdogan am Sonntag kurz vor seinem Abflug in die Vereinigten Arabischen Emirate. Erdogan reiste genau zu jenem Zeitpunkt ab, als der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak zu einem eintägigen Besuch in Ankara eintraf, um nach einem schweren diplomatischen Zwischenfall, bei dem der türkische Botschafter in Israel Ahmet Oguz Celikkol jüngst öffentlich erniedrigt wurde, die bröckelnden Beziehungen mit der Türkei zu kitten.

Baraks Reise nach Ankara am Sonntag war der höchstrangige israelische Besuch seit dem von Tel Aviv geführten Krieg gegen den Gaza­streifen im Winter 2008/2009. Seither hagelte es türkische Kritik an Israel. Immer wieder machte Ankara deutlich, daß die Beziehungen zu Tel Aviv weiter leiden werden, solange Israel nicht »die humanitäre Katastrophe« in Gaza beendet. Folglich mußte Barak in Ankara mit seinem türkischen Amtskollegen, Verteidigungsminister Vecdi Gonul, und dem Außenminister Ahmet Davutoglu vorlieb nehmen. Trotz des ausdrücklichen Wunsches der israelischen Diplomatie, auch den türkischen Präsidenten Abdullah Gül zu treffen, stand der Barak nicht zur Verfügung. Er zog es vor, in Istanbul eine Kulturveranstaltung zu besuchen. Laut türkischer Medien liegt der tatsächliche Grund für die Zurückweisung Baraks durch Präsident Gül jedoch in der beschämenden Behandlung von Botschafter Celikkol durch den stellvertretenden israelischen Außenminister Danni Ayalon.

Anfang Januar hatte der israelische Vize-Außenminister Danni Ayalon von der rechtsradikalen Yisrael-Beiteinu-Partei den Botschafter wegen eines im türkischen Privatfernsehen gezeigten Films ins Außenministerium zitiert. Der Film zeigte offensichtlich zu realitätsnah, wie israelische Soldaten Kriegsverbrechen gegen das palästinensische Volk begehen, wie israelische Agenten palästinensische Kinder entführen und wehrlose alte Menschen erschießen. Der Botschafter wurde dafür in beleidigender Form öffentlich zurechtgewiesen.

Auf Anweisung des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman war Celikkol auf ein extrem niedriges Sofa gesetzt worden, während Ayalon und zwei seiner Beamten auf hohen Stühlen über ihm thronten. Dann wurden die Medienvertreter hereingelassen, und Ayalon wies die Fotografen in hebräisch an: »Achten Sie darauf, daß er niedriger und wir höher sitzen, und daß nur die israelische Flagge auf dem Tisch steht und daß wir nicht lächeln«.

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