„Ethnische Säuberung Palästinas“

Die provokanten Thesen des Historikers Ilan Pappe 1947 bis 1948 hieß es in Israel offiziell, das Land sei quasi leer gewesen. Eine andere Variante lautet: Die Palästinenser hätten sozusagen freiwillig, in vorauseilendem Gehorsam, ihre Häuser verlassen. Eine neue Generation israelischer Historiker, wie Benny Morris oder Tom Segev, räumten mit diesen Mythen auf. Sie gingen aber nicht weit genug, meint der jüdische Historiker Ilan Pappe aus Haifa. Auch er gehört zu den so genannten neuen israelischen Historikern, und weil es ihm, sagt er, von der Universitätsleitung immer schwerer gemacht worden sei, unterrichtet er jetzt in Großbritannien. Er will belegen, David Ben Gurion und seine Arbeiterpartei hätten Verbrechen gegen die Menschlichkeit geplant und gegen das Völkerrecht verstoßen. Freiwilliger Rückzug oder Vertreibung Israel und Palästina, das ist eine erbitterte Auseinandersetzung um den Anspruch auf Dasein und das Recht auf Territorium. Es ist ein Konflikt, der nicht zur Ruhe kommt, so alt wie der Staat Israel. Ende der 1930er Jahre wurde Palästina zum gelobten Land für jüdische Flüchtlinge, die den Nazis entkommen waren. 1948 folgte die Staatsgründung unter David Ben Gurion, die einen autonomen Staat und die Fähigkeit der Juden, sich selbst zu verteidigen, brachte. Doch die Gründung des Staates Israel, der große Teile von Palästina einschloss, war auch der Grundstein für einen der längsten Konflikte der Nachkriegszeit. Streitpunkt der Historiker: Sind die Palästinenser 1948 freiwillig gegangen oder vertrieben worden? Der Historiker Ilan Pappe hat mit seinem Buch „Die ethnische Säuberung Palästinas“ diese Diskussion erneut angeheizt. Schon der Gebrauch des Begriffes „ethnische Säuberung“ im Zusammenhang mit dem Vorgehen Israels ist eine Provokation. Die von Pappe bewusst gewählte Begriffsanalogie zur tatsächlichen „ethnischen Säuberung“ im letzten Balkankrieg ist ein zusätzlicher Affront. Anders als die israelische Regierung, die vom „freiwilligen Transfer“ spricht, behauptet Pappe, dass die Palästinenser aus ihren Gebieten vertrieben worden seien – und zwar systematisch, nach einem Masterplan, dem so genannten Plan Dalet. Dieser Plan diente laut Pappe nicht ausschließlich der Verteidigung Israels gegen Feinde, sondern wurde für die Legitimation der systematischen Vertreibung der Palästinenser genutzt. Vorwurf brutaler Gewalt Demnach soll die Israelische Armee im Jahr 1948, kurz vor dem Rückzug der britischen Schutzmacht aus Palästina, die palästinensische Bevölkerung mit brutaler Gewalt und Massakern aus ihren Dörfern und Städten in die Flucht getrieben haben. Pappe beschreibt in seinem Buch unter anderem das Massaker von Deir Yassin, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem. Dort sollen am 9. April 1948 mehr als 100 Menschen – darunter zahlreiche Frauen und Kinder – brutal ermordet worden sein. Pappe wird für seine Thesen vor allem in Israel massiv angegriffen. Kritiker sehen ihn als „Anti-Zionisten“ und als Verräter, der die Geschichte des Jüdischen Volkes und besonders den Holocaust der Nationalsozialisten ausblende.

Quelle: http://www.3sat.de

Hier ein Interview: http://schababannur.de/doc000/neu2009/index.php?option=com_content&view=article&id=186:qethnische-saeuberung-palaestinasq&catid=35:politik&Itemid=38

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