Ruchama beim Interview am Rande der verhinderten Demo in Ashkelon

 

Ruchama erzählt dies in ruhigem und analytischem Ton. Der kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie seit 20 Jahren wütend ist. Aus dieser Wut schöpft sie ihre Energie, ihre bewusste Entscheidung, sich außerhalb des israelischen „Wir“ und des israelischen Konsenses zu stellen. Ruchama bezeichnet das als ihre Entscheidung für die „Einsamkeit“. Vor 20 Jahren hat sie die Ärzte für Menschenrechte gegründet. Sie ist deren Präsidentin, ein Ehrenamt.

 

… und gegen die Angriffe auf Gesundheitsarbeiter.

vernichtet, ausräuchert“. Etwas abseits von dem Tisch mit den jüngeren Mitarbeitern sitzt Ruchama Marton, Gründerin und Präsidentin der Ärzte für Menschenrechte. Sie lässt sich nicht von der niedergeschmetterten Atmosphäre anstecken. Ich erinnerte mich an ihre Rede, die sie bei der medico-Konferenz „Macht und Ohnmacht der Hilfe“ hielt (

 

Für einen Waffenstillstand…

Eben haben wir sie begleitet auf einem Protestkonvoi nach Gaza: Die Ärzte für Menschenrechte haben ihre Unterstützer aufgerufen, einen Konvoi mit Medikamenten für Gaza zum Übergang Kerem Shalom zu begleiten. Es sollte eine stille Demonstration sein, für einen Waffenstillstand. Dreihundert Menschen folgten dem Ruf, arabische und jüdische Israelis, und kamen in drei Bussen und in ihren privaten Autos, darunter Dutzende von Bürgern aus eben den Ortschaften, die unter dem ständigen Beschuss der Hamas-Raketen leiden. Die Behörden reagierten jedoch prompt: Etwa 20 Kilometer vor der Grenze wurden wir von der Polizei gestoppt. Jedem Protest wurde mit Gewaltandrohung begegnet. Die Fahrer wurden gezwungen, zurückzukehren. Erst in Tel Aviv erhielten sie ihre Papiere zurück. Die Demonstration wurde gesprengt, doch die Teilnehmer demonstrierten spontan vor dem Sitz des Generalstabs in Tel Aviv. Vorbeifahrende Autofahrer beschimpften sie unentwegt.
Kundgebung gegenüber des Verteidungsministeriums in Tel Aviv…

…gebeten, gedroht, geschrieben, telefoniert, um die Evakuierung von Verletzten zu koordinieren. Vergebens. Keiner da auf der Gegenleitung, lediglich Verachtung für diese „Freunde der Hamas“. Und jetzt – ein Erfolg? Zu durchschaubar war dies ein Versuch der israelischen Regierung, durch humanitäre Symbolik die massiven Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Gaza aufzuwiegen. Eine weitere Presseerklärung folgte, die den zynischen Gebrauch von Hilfe durch die geölte israelische Propagandamaschinerie – deren Erfolge in den israelischen Medien so oft in diesen Tagen aufgezählt wurden – anprangerte.

 

Statt am Gazastreifen mussten die PHR-Il in Tel Aviv demonstrierten

Die Ärzte für Menschenrechte machten sich keine Illusionen: Die schnelle Evakuierung war lediglich eine Reaktion auf die Berichterstattung über den Fall im israelischen Fernsehen, in dem ansonsten kaum jene erschreckenden Bilder von toten Zivilisten und schreienden Kleinkindern, die um die Welt gingen, gezeigt wurden. Dr. Abu Al-Eish war nämlich zuvor täglich in den Hauptnachrichten des israelischen Kanals 10 zugeschaltet. Die Attacke auf seine Wohnung wurde deshalb fast live gezeigt. Ganz Israel schaute zu, als Dr. Abu Al-Eish mit aus Trauer und Schock verzerrtem Gesicht um seine toten Kinder weinte, schrie.

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